Freitagabend, 2.März: Gespannt schaue ich im Internet nach dem Ergebnis des Spiels Schalke-Hamburg - 0:2 war da zu lesen! Genial!
Was für eine Chance für den VfB! Mit einem Sieg in Leverkusen bis an einen Punkt an Schalke heran rücken!
Doch schon im gleichen Augenblick mischte sich etwas Skepsis in die Freude - so eine Steilvorlage hat der VfB doch selten genutzt.
Am nächsten Morgen als ich aufstand, hatte sich das skeptische Gefühl fest bei mir verankert: Der VfB verbockts heute...
Wenigstens hatte ich heute, im Gegensatz zu letzter Woche, genügend Zeit und musste nicht hetzen. So ging es seit langer Zeit mal wieder ins bekannte Café erstmal schön frühstücken. Frisch gestärkt ging es dann weiter gemütlich nach KA, wo der ICE 600 Richtung Köln bestiegen wurde. Meinen reservierten Sitzplatz fand ich heute in einem 6'er Abteil wieder, wo im Laufe der Zeit 2 osteuropäische Damen nebst einem Herren derselben Sorte, sowie einem deutschen Standard-Rentnerehepaar zusammen mit mir die illustre Reisegruppe bildeten. Am Kölner Hbf wurde nach Stärkung in einem allseits bekannten Schnellrestaurant der Regionalexpress5 betreten, in welchem ich glücklicherweise noch einen Sitzplatz bekommen konnte. Doch im Laufe der Fahrt hätte ich wohl lieber gestanden, aß der Mann gegenüber von mir doch nett mit offenem Mund, ehe er anschließend die überflüssige Luft in seinem Körper durch sämtliche Körperöffnungen nach draußen ließ.
An der Station "Leverkusen Mitte" hieß es dann (diesmal wirklich) glücklicherweise aussteigen und der breiten Masse nach zum Stadion (so dachte ich jedenfalls). In Wirklichkeit war es jedoch ein recht einsamer Marsch, ehe ich das selbsternannte "Schmuckkästchen der Liga" erreichte.
Da das Wetter mit Regen und eiskalten Windböen nicht gerade zum vorm Stadion verweilen einlud, beschloss ich, selbiges gleich zu betreten. Nachdem ich die Kontrollen passierte (sehr nettes Personal!) ging es hinein in die gute Stube. Klein aber fein! Schönes Stadion muss man schon sagen. Auffallend vor allem der große Logenbereich, der bis auf wenige "normale" Sitzplatzreihen fast eine gesamte Hintertorseite einnimmt.
Nach der bei diesem Wetter fast endlos scheinenden Zeit bis zum Anpfiff ging es dann punkt 15:30Uhr endlich los mit dem Spiel. Für den neutralen Zuschauer muss es wohl eines der besten Spiele der Saison gewesen sein. Beide Teams äußerst offensiv ausgerichtet - Chancen hüben wie drüben im Minutentakt - Das Spiel hätte gut und gerne 5:5 oder 6:6 enden können! Dass der VfB aber als Verlierer vom Platz ging, lag vor allem an der miserablen Chancenverwertung. Vor allem ein gewisser Marco S., seinerseits Schweizer Nationalspieler, tat sich hierbei als absoluter Könner hervor. In den wichtigsten Phasen (beim Stand von 0:0, sowie beim Stand von 0:2 gleich nach der Pause) vergab er die besten Möglichkeiten, den VfB wieder ins Spiel zu bringen. Da auch andere Spieler in der Schlussphase beste Möglichkeiten ausließen, hieß der Sieger am Ende leider Bayer Leverkusen. Ein Unentschieden wäre meiner Meinung nach eher verdient gewesen.
Nun zur Stimmung: Trotz eines zwei- bzw. streckenweise sogar drei-Tore-Vorsprungs, konnte der Bayer-Anhang nicht wirklich überzeugen. Besonders peinlich waren auch die "Das ganze Stadion hüpft olè olè"-Gesänge. Aus Leverkusener Sicht würde ich mir Gedanken darüber machen, ob solche Lieder sinnvoll sind, wenn noch nicht einmal eine komplette Hintertortribüne mithüpft. Doch wie gesagt, nicht nur das war mau:  Das muss man sich mal vorstellen: Da führt die Heimmannschaft mit 3:0 und wen hört man? Die Gästefans!
Apropos Gästefans: nach zwischenzeitlichem Tief begannen diese etwa Mitte der 2.Hälfte damit, den "Olè Olè Olà"-Gesang anzustimmen, welcher bis zum Spielende(!!), mal mehr, mal weniger laut, durchgesungen wurde! Sehr geil muss ich schon sagen!
Doch das blieb auch die einzige Freude, denn da die anderen Teams nicht gerade für Stuttgart spielten, hieß es an diesem Spieltag runter auf Platz 3.
Auf der Rückfahrt gab es dann noch eine kleine Meinungsverschiedenheit mit einem Leverkusener Anhänger, der mir in der vollbesetzten Bahn vorwarf, an der falschen Stelle zu stehen, woraufhin ich ihn freundlich darauf hinwies, dass alles voll wäre und man sich nunmal dahin stehe, wo es Platz hat und dass er gefälligst aussteigen sollte, wenn es ihm nicht passt. Aber alles halb so wild, was bleibt ist die Erkenntnis, dass es wohl bis zum Ende der Saison ganz eng werden wird und von Meisterschaft bis UEFA-Cup noch alles drin ist.

 

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